Der Rolex-Killer: Wie eine Uhr zur Aufklärung eines Mordes beitrug
Am 28. Juli 1996 zog ein Fischkutter vor Brixham im Ärmelkanal die Leiche eines Mannes mittleren Alters an Bord. Das Opfer hatte eine Kopfwunde, keinerlei Ausweispapiere und leere Taschen. Was an seinem Handgelenk verblieb, war eine Rolex Datejust. Als sie aus dem Netz gehoben wurde, sprang das Uhrwerk wieder an; sie zeigte 11:35 Uhr und das Datum des 22. Diese Details gaben den Ermittlern einen ersten Hinweis, doch der eigentliche Durchbruch kam durch die Wartungshistorie der Uhr.

Von einer Uhr zu einem Namen
Die Obduktion ergab Ertrinken als Todesursache, was die Möglichkeit aufkommen ließ, dass der Mann nach einem Schlag auf den Kopf einfach ins Wasser gefallen war. Ohne Geldbörse oder Dokumente geriet der Fall ins Stocken, bis Detektive Rolex kontaktierten. Anhand der Seriennummer verfolgte Rolex die Uhr zurück zu Fattorini, einem Juwelier in Harrogate, der sie in den 1980er Jahren gewartet hatte. Dortige Aufzeichnungen verbanden die Uhr mit Ronald J. Platt.
Platt, ein Fernsehmechaniker und Militärveteran, wurde als nach Frankreich umgezogen gemeldet. Diese Information stammte von einem Mann namens David Davis, der sich selbst als enger Freund bezeichnete. Er behauptete, Platt sei ins Ausland gegangen, um ein Geschäft zu gründen. Doch die Ermittler fanden diese Darstellung zunehmend widersprüchlich. Zahnärztliche Unterlagen und ein Tattoo bestätigten, dass die Leiche zu Platt gehörte, nicht zu jemand anderem mit demselben Namen. Die letzte Person, die nachweislich mit ihm in Verbindung stand, war Davis.
Albert Walkers Doppelleben
Die Polizei, die Davis‘ Adresse besuchte, erfuhr von Nachbarn, dass er sich als Ronald Platt vorgestellt und mit einer jüngeren Frau zusammengelebt hatte, die sie für seine Ehefrau hielten. In Wirklichkeit war „David Davis“ Albert Johnson Walker, ein kanadischer Buchhalter, der 1990 nach Großbritannien geflohen war, nachdem er mehr als 70 Kunden um 3,2 Millionen Dollar betrogen hatte. Er hatte seine jugendliche Tochter mitgebracht, die vor Ort als seine Partnerin vorgestellt wurde.
Walker hatte sich Jahre zuvor mit Platt angefreundet, da er wusste, dass dieser ein Mann mit wenigen engen Bindungen war. Die Freundschaft ermöglichte es ihm, einen Plan zu schmieden, um Platts Identität anzunehmen. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass Platt während eines Angelausflugs an Bord von Walkers Boot, der Lady Jane, auf den Hinterkopf geschlagen und mit einem an seinem Gürtel befestigten zehn Pfund schweren Anker über Bord gestoßen wurde. Ohne die Rolex wäre seine Leiche möglicherweise nie identifiziert worden; die Seriennummer und die Wartungsunterlagen entlarvten sowohl seine Identität als auch Walkers Lügen.
Prozess und Nachwirkungen
1998 wurde Walker des Mordes an Platt für schuldig befunden und in Großbritannien zu lebenslanger Haft verurteilt. Die kanadischen Behörden lehnten eine sofortige Auslieferung ab, unter Verweis auf die Schwere des Falles und ihr Vertrauen in die britische Verurteilung. Der Mord wurde weithin als „Rolex-Mörder“-Fall bekannt, da die Uhr den entscheidenden Hinweis lieferte, der ihn aufklärte.
Platts Uhr, eine Rolex Datejust Referenz 1600 von 1971, war ein Vierteljahrhundert lang sein ständiger Begleiter gewesen. Freunde bemerkten, dass er sie überall trug, sogar unter der Dusche, und sie auf Fotos in Szene setzte. Im Jahr 2002 gab die Polizei die Uhr an Platts Familie frei. Ihr aktueller Verbleib ist nicht öffentlich bekannt, aber sie bleibt eine bleibende Erinnerung daran, wie routinemäßige Serviceaufzeichnungen und ein Objekt am Handgelenk einen der berüchtigtsten Flüchtigen Kanadas entlarvten und einen komplexen Fall zum Abschluss brachten.
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