Rolex wagt sich in die Atomzeitmessung vor
Im Mai 2025 unternahm Rolex einen entscheidenden Schritt über seine traditionelle Meisterschaft der mechanischen Uhrmacherei hinaus, indem es Rolex Quantum SA gründete. Das neue Unternehmen wird vom historischen Observatorium Neuenburg aus operieren, einem Ort, der seit langem mit präziser Zeitmessung verbunden ist. Heute beherbergt das Observatorium das Schweizerische Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik (CSEM), eine Institution mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Forschung zur Atomzeitmessung.

Vom Erbe des Observatoriums zur Quantenpräzision
Das Observatorium Neuenburg spielte eine herausragende Rolle in der Geschichte der Schweizer Uhrmacherei und war über weite Teile des 20. Jahrhunderts ein Zentrum für Chronometerprüfungen. Der Standort dient heute als Drehscheibe für fortgeschrittene Forschung in Frequenzstandards und Zeitverteilung. Das CSEM, das den Standort nutzt, entwickelt führende Lösungen für industrielle und wissenschaftliche Anwendungen, bei denen extreme Zeitgenauigkeit erforderlich ist.
Rolex Quantum SA wird sich auf die kommerzielle Produktion und den Verkauf von Atomuhren konzentrieren, Geräte, die für globale Navigationssatellitensysteme, die Synchronisierung von Telekommunikationsnetzen, Hochfrequenz-Handelsplattformen und wissenschaftliche Labore unerlässlich sind. Diese neue Tätigkeit wird unabhängig von der Produktion mechanischer Uhren von Rolex sein und signalisiert einen bewussten Schritt in ein spezialisiertes Segment der Präzisionstechnik.
Partnerschaft mit CSEM
Rolex hat bereits mit dem CSEM zusammengearbeitet, um ein proprietäres Referenzsystem auf Basis der optischen Atomuhrtechnologie unter Verwendung von Rubidiumatomen zu entwickeln. Optische Atomuhren erreichen ihre Präzision durch die Messung der Frequenz des von Atomen absorbierten oder emittierten Lichts, die weitaus höher ist als die von Mikrowellen-basierten Atomuhren wie denen, die Cäsium verwenden. Dieser Frequenzanstieg führt direkt zu verbesserter Stabilität und Genauigkeit.
Rubidium-basierte optische Atomuhren
Rubidium-optische Atomuhren kombinieren eine Rubidium-Dampfzelle mit Lasersystemen, die die Atome bei sehr spezifischen optischen Frequenzen abfragen. Diese Geräte sind kleiner und benötigen weniger Strom als viele Labor-Atomuhren, wodurch sie praktischer für den Einsatz außerhalb kontrollierter Forschungsumgebungen sind.
Die von Rolex und CSEM entwickelten Prototypen wurden bereits in den Rolex-Fertigungsstätten in Genf und Biel installiert. Jede Einheit ist für ihre Kategorie mit ca. 48 Zentimetern Höhe kompakt und für den Dauerbetrieb ausgelegt. Bei Tests zeigten diese Uhren eine außergewöhnliche Stabilität mit Abweichungen von nicht mehr als 300 Pikosekunden über eine ganze Woche. Zum Vergleich: Eine Abweichung von einer Sekunde würde bei dieser Rate erst nach mehr als 100.000 Jahren auftreten.
Zertifizierung durch METAS
Das Eidgenössische Institut für Metrologie (METAS), die nationale Behörde für Messstandards, hat die Prototypen getestet. METAS ist international anerkannt für die Zertifizierung von Geräten, die sowohl in der wissenschaftlichen Forschung als auch in industriellen Anwendungen eingesetzt werden, einschließlich der Master Chronometer Zertifizierung für Armbanduhren. Die Validierung durch METAS bestätigt, dass die Atomuhren von Rolex strenge Kriterien für Genauigkeit, Stabilität und Betriebsintegrität erfüllen.
Marktanwendungen und strategische Wirkung
Atomuhren sind integraler Bestandteil der modernen Infrastruktur. Sie liefern die Zeitreferenzen, die es GPS-Satelliten ermöglichen, Positionen mit metergenauer Präzision zu bestimmen, mobile Netzwerke ermöglichen, Anrufe nahtlos zwischen Türmen zu übergeben, und Rechenzentren sowie Finanzbörsen bis auf Milliardstelsekunden zu synchronisieren. Optische Atomuhren, wie sie von Rolex Quantum SA entwickelt werden, repräsentieren die nächste Generation dieser Technologie, mit Genauigkeiten, die aktuelle GPS-disziplinierte Lösungen übertreffen.
Für Rolex erweitert dieses Vorhaben seinen Ruf für Präzision in ein Feld, in dem die Zeit nicht in Sekunden pro Tag, sondern in Pikosekunden pro Woche gemessen wird. Die Initiative spiegelt eine breitere Entwicklung in der Schweizer Uhrmacherexpertise wider, wo die für die mechanische Zeitmessung entwickelten Fähigkeiten und Kenntnisse auf neue Grenzen der wissenschaftlichen und industriellen Zeitmessung angewendet werden.
Ausblick
Wenn die Produktion wie erwartet skaliert, könnte sich Rolex Quantum SA unter den wenigen Anbietern weltweit positionieren, die kommerzielle optische Atomuhren liefern können. Solche Geräte werden voraussichtlich in fortgeschrittenen Forschungsinstituten, Luft- und Raumfahrtsystemen, Verteidigungsanwendungen und Sektoren eingesetzt, in denen ultrapräzise Zeitsynchronisation missionskritisch ist.
Dieser Schritt stellt nicht nur eine Diversifizierung der Fähigkeiten von Rolex dar, sondern auch eine Stärkung der Stellung der Schweiz als globaler Führer in der Wissenschaft der Zeit.
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