Nachfrage nach Schweizer Uhren im Vereinigten Königreich sinkt, während sich globale Verkäufe abkühlen
Die Schweizer Uhrenexporte nach Großbritannien sind im Mai stark eingebrochen und fielen im Vergleich zum Vorjahr um 14,5 % auf 130,4 Millionen CHF. Damit gehört Großbritannien zu den am stärksten betroffenen wichtigen Märkten und liegt gemessen am Gesamtwert nur hinter den USA und China. Trotz des Rückgangs entfielen im Mai immer noch 6,2 % der gesamten Schweizer Uhrenexporte auf Großbritannien, womit das Land seine Position als bedeutender Abnehmer von Luxusuhren behauptet.

Der Abschwung in Großbritannien steht im Einklang mit einer globalen Abkühlung der Nachfrage, insbesondere nach einem Anstieg im April, als Einzelhändler große Bestellungen aufgaben. Diesem vorübergehenden Aufschwung folgten nun weit verbreitete Rückgänge, wobei die Federation of the Swiss Watch Industry (FH) einen Rückgang der Gesamtexporte über alle Märkte hinweg um 9,5 % meldete.

Exporte fallen schneller, als die Einzelhandelsumsätze aufholen
Branchenanalysten schlagen Alarm wegen der Diskrepanz zwischen Exportzahlen und tatsächlicher Einzelhandelsentwicklung. Während die Exporte im Jahr 2025 bisher um 1,1 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen sind, warnt die FH, dass dieses Wachstum irreführend ist. „Dieses Ergebnis spiegelt nicht die tatsächliche Verkaufssituation wider“, erklärte der Verband und hob hervor, dass die Einzelhandelsnachfrage weitaus gedämpfter war.
Jean-Philippe Bertschy, Managing Director bei Vontobel und eine angesehene Stimme in der Schweizer Aktienanalyse, betonte den seltenen Ton der Vorsicht. In einer Mitteilung an Kunden beschrieb er die Warnung des Verbandes als „ungewöhnlich und bemerkenswert“, was darauf hindeutet, dass der Exportoptimismus möglicherweise eine tiefere Konsumermüdigkeit in Märkten wie Großbritannien, Hongkong und Japan maskiert.
Preissegmente zeigen breite Schwäche
Die Exportdaten vom Mai zeigen einen deutlichen Rückgang in fast allen Preisklassen von Uhren. Uhren unter 200 CHF verzeichneten den größten Rückgang im Volumen, um 15,2 %, wobei der Wert um 9,8 % sank. Mittelklassemodelle zwischen 200 CHF und 500 CHF waren fast genauso betroffen, mit einem Rückgang der Stückzahlen um 14,5 %.
Auch das Luxussegment, Uhren über 3.000 CHF, hatte zu kämpfen, wobei die Stücklieferungen um 17,1 % und der Wert um 11,4 % fielen. Interessanterweise gelang es nur der Kategorie von 500 CHF bis 3.000 CHF, einen positiven Wertzuwachs von 0,2 % zu erzielen, trotz eines Volumenrückgangs von 4,3 %. Dies deutet darauf hin, dass Marken die Preise anpassen, um die Margen zu erhalten, selbst wenn die Verkaufsvolumina schrumpfen.
Umfassendere wirtschaftliche Kräfte im Spiel
Die Schwäche der Nachfrage in Großbritannien könnte mit einer größeren wirtschaftlichen Unsicherheit zusammenhängen. Obwohl Großbritannien nicht direkt von US-geführten Zöllen betroffen war, stehen die globalen Luxusausgaben aufgrund hoher Zinsen, einer sich verlangsamenden Verbraucherstimmung und sich ändernder Käufergewohnheiten unter Druck. Die britische Einzelhandelslandschaft hat auch einen Rückgang der Besucherzahlen und strengere diskretionäre Ausgaben erlebt, insbesondere in nicht-essentiellen Kategorien wie Uhren.
Hongkong und China, ebenfalls wichtige Luxusuhrenmärkte, erlitten im Mai ähnliche Rückschläge, wobei Chinas Immobilienprobleme die Verbraucherstimmung belasteten. Dies hat Märkte wie Großbritannien noch stärker unter Druck gesetzt, die globale Nachfrage aufrechtzuerhalten, eine Verantwortung, die sie möglicherweise nicht mehr allein tragen können.
Marken überdenken Strategie inmitten sich ändernder Marktdynamik
Angesichts der nachlassenden Nachfrage könnten viele Schweizer Uhrenmarken gezwungen sein, ihre Strategie zu überdenken. Die traditionelle Formel von limitierter Produktion und hohen Preisen reicht möglicherweise nicht mehr aus, um das Wachstum aufrechtzuerhalten. Da die Exporte nach Großbritannien, in die USA und in andere wichtige Regionen nun parallel zurückgehen, könnten Branchenführer auf aufstrebende Märkte oder neue Produktsegmente setzen, um die Dynamik wiederzubeleben.
Bislang haben Marken wie Rolex, Omega und Audemars Piguet Marktschwankungen durch Exklusivität und Markentreue überstanden. Doch wie Bertschy feststellte, könnten die Mai-Daten das erste klare Signal für eine sich festigende Verlangsamung sein.
Den Bericht können Sie hier detaillierter lesen: https://www.fhs.swiss/eng/statistics.html
Hinterlassen Sie einen Kommentar