HSNY lanciert neue akademische Kurse, die Uhrmacherei, Geschichte und die Philosophie der Zeit miteinander verbinden
Die Horological Society of New York (HSNY) – die älteste Uhrmacherzunft der Vereinigten Staaten, gegründet 1866 – verbindet uhrmacherische Tradition mit multidisziplinärer Forschung und hat eine neue akademische Initiative ins Leben gerufen, die darauf abzielt, die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Konzept der Zeit zu erweitern. Das neueste Bildungsprogramm der Organisation startet im Frühjahr 2025 und umfasst zwei Präsenz-Seminarlehrgänge in ihrer Zentrale in Manhattan.
Die Führung der Gesellschaft hat diese neue Ausrichtung als Bemühung beschrieben, die uhrmacherische Ausbildung an die sich entwickelnden Bedürfnisse und Neugierde der heutigen Lernenden anzupassen. Ziel ist es, das Studium der Zeit nicht nur zugänglicher, sondern auch relevanter zu gestalten, indem es die Reflexion über ihre breitere Auswirkung auf Gesellschaft, Verhalten und Glauben fördert.
Ein historischer Ort: Die Jost Bürgi Forschungsbibliothek
Die Kurse finden in der Jost Bürgi Forschungsbibliothek der HSNY statt, benannt nach dem Schweizer Uhrmacher und Mathematiker des 16. Jahrhunderts, der für seine Pionierarbeit in der astronomischen Instrumentierung bekannt ist. Bürgis Beiträge zur Zeitmessung, insbesondere seine Zusammenarbeit mit dem Landgrafen von Hessen-Kassel und seine unabhängige Arbeit an Logarithmen, machten ihn zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der frühen modernen Uhrmacherei.
Die Bibliothek befindet sich in der 20 West 44th Street in Midtown Manhattan und beherbergt eine außergewöhnliche Sammlung uhrmacherischer Texte, Manuskripte und technischer Dokumente. Sie dient sowohl als wissenschaftliche Ressource als auch als passender Ort für ein Programm, das die Zeit aus mechanischen, kulturellen und philosophischen Perspektiven beleuchtet.
KURS EINS: Amerika bei Nacht
Dienstags, 20. Mai – 24. Juni 2025
Dozent: Daniel Levinson Wilk
Kosten: 150 $ | Kapazität: 11 Studenten
Dieses Seminar untersucht, wie die amerikanische Kultur die Nacht geprägt hat – und von ihr geprägt wurde. Der Kurs behandelt Themen wie Stadtbeleuchtung, die Ökonomie des 24-Stunden-Lebens und die sozialen Konstrukte rund um nächtliche Aktivitäten. Anhand von Literatur, Musik und bildender Kunst werden die Studenten untersuchen, wie die Nacht in den Vereinigten Staaten dargestellt, verwaltet und mythologisiert wurde.
Die Teilnehmer werden auch die uhrmacherischen Innovationen betrachten, die die Zeitmessung nach Einbruch der Dunkelheit ermöglicht haben, wie leuchtende Zifferblätter und 24-Stunden-Uhren, und wie diese Werkzeuge mit der menschlichen Erfahrung von Schlaflosigkeit, Einsamkeit und subkulturellem Leben interagieren.
Daniel Levinson Wilk, ein Historiker an der SUNY-FIT, bringt seine Expertise in der Erforschung von Dienstleistungsarbeit und Infrastruktur in die Diskussion ein und bietet eine sozialhistorische Sichtweise der Zeit, wie sie in nächtlichen Umgebungen erlebt wird.
KURS ZWEI: Zeit: Die großen Fragen
Mittwochs, 21. Mai – 25. Juni 2025 | 18:00–19:30 Uhr
Dozent: Jeffrey Feddersen
Kosten: 150 $ | Kapazität: 11 Studenten
Dieses Seminar bietet eine umfassende Untersuchung, wie Menschen die Zeit konzeptualisiert und gemessen haben. Von antiken Geräten wie dem Mechanismus von Antikythera bis hin zu modernen Atomuhren verbindet der Kurs wissenschaftliche Entdeckung mit philosophischer Reflexion. Die Teilnehmer werden die Entwicklung der Zeitmessung aus praktischen und metaphysischen Blickwinkeln erforschen und dabei betrachten, wie die Zeit genutzt wurde, um den Kosmos und das menschliche Leben darin zu verstehen.
Der Lehrplan stützt sich auf Ressourcen aus dem Archiv der HSNY und umfasst Materialien, die in Feddersens Masterarbeit über Zeit und Systemtheorie entwickelt wurden. Die Diskussionen werden Themen wie die Relativität der Zeit, ihre kulturellen Darstellungen und ihre Rolle bei der Gestaltung der Zukunft behandeln.
Feddersen, bekannt für seinen interdisziplinären Unterricht am ITP-Programm der NYU, hat an Projekten mit digitaler Kunst, kreativer Elektronik und öffentlichen Installationen mitgewirkt, was ihn einzigartig positioniert, um Gespräche an der Schnittstelle von Horologie, Computertechnik und menschlicher Vorstellungskraft zu leiten.
Ein breiterer Ansatz zur Uhrmacherausbildung
Diese akademische Erweiterung stellt eine Verlagerung von einer rein technischen Ausbildung zu einem inklusiveren Bildungsmodell dar. Während Institutionen wie das British Horological Institute (BHI) und WOSTEP in der Schweiz sich auf praktische Ausbildung und formale Zertifizierung konzentrieren, bietet der Ansatz der HSNY eine ergänzende Perspektive – eine, die die Zeit sowohl als physikalisches Phänomen als auch als kulturellen Rahmen behandelt.
Die Initiative trifft auf ein wachsendes internationales Interesse an der Natur der Zeit in Disziplinen wie Physik, Kunst, Literatur und Philosophie. Da sich der globale Diskurs zunehmend Fragen der Zeitlichkeit zuwendet – sei es im Kontext künstlicher Intelligenz, Klimapolitik oder verlängerter menschlicher Langlebigkeit –, bieten solche Programme eine Plattform für ein sinnvolles Engagement.
Anmeldeinformationen
Jeder Kurs wird nicht mehr als 11 Studenten aufnehmen, um eine diskussionsbasierte Umgebung zu gewährleisten. Die Sitzungen finden in der Jost Bürgi Bibliothek der HSNY statt. Die Anmeldung wurde am 28. April 2025 eröffnet, und die Registrierung ist über Eventbrite und hs-ny.org möglich.
Für Sammler, Wissenschaftler oder jeden, der sich für die tieferen Dimensionen der Zeit interessiert, bietet dieses Programm eine seltene Gelegenheit, die Horologie nicht nur als Handwerk, sondern als Linse zu betrachten, durch die man die Welt – und uns selbst – besser verstehen kann.
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